Liebe ist…

Liebe ist…

Kennt Ihr dieses „Liebe ist…“-Paar auch noch? Das sind zwei gezeichnete, meiner Erinnerung nach nackte, Figürchen, zu denen jeweils ein Text steht, der mit „Liebe ist…“ beginnt und dann kommt irgend ein Beispiel dafür, was Liebe ist. Wenn ich diese Satz vervollständigen müsste, würde ich definitiv sagen „Liebe ist… wenn einem der Marito einen Plattenspieler schenkt“. Ich weiss, eigentlich sollte da etwas ganz Romantisches stehen, wie „Liebe ist… wenn er mich auch mit all meinen Fehlern liebt“ oder so. Tja, da der Signore sehr ein toleranter und im Gegensatz zu mir ein unglaublich geduldiger Mensch ist, macht er das irgendwie schon jeden Tag.

Daher zurück zum Plattenspieler. Ich liege dem Signore seit Jahren damit in den Ohren, dass ich gerne einen Plattenspieler hätte. Ich habe es schon als Kind geliebt, Platten zu hören. Vor etwas mehr als einem Monat hatte ich Geburtstag und da hat mir der Signore diesen Wunsch nun erfüllt. Und nicht irgendwie so… Nein, er hat sehr lange recherchiert und sich ganz viele Gedanken dazu gemacht, welches Modell dann schlussendlich wirklich auch perfekt zu mir passen würde. Und als ich am Abend vor meinem Geburtstag spät, ziemlich müde und ehrlich gesagt auch sehr traurig heim kam (es war damals grad allesamt ein doofer Tag gewesen), hat mich der Signore nicht nur mit einer echt leckeren Erdbeertorte, sondern eben auch noch mit dem Plattenspieler überrascht.

Zum Glück hat Babbo Pinella eine riesige Plattensammlung, aus der ich mich nun nach Lust und Laune bedienen kann und ich habe auch noch etliche Platten zum Geburtstag geschenkt bekommen (der Signore hat ganze Arbeit geleistet und hat Familie und Freund instruiert, mir Platten zu schenken).

Und weil ein so edler Plattenspieler auch ein angemessenes Daheim braucht, habe ich kurzerhand ein Sideboard dafür zusammengebaut. Es besteht aus vier einzelnen Ikea-Schränken, die man aneinander schrauben kann. Weil mir die Oberfläche noch nicht gefiel, holte ich im Baumarkt eine schöne Holzplatte, habe diese zuschneiden lassen und geölt. Nun finde ich das Ganze absolut perfekt.

Und übrigens: „Liebe ist… wenn man am Abend zusammen auf dem Sofa sitzt und Platten hört.“

Wer weiss, vielleicht haben die einen oder anderen von Euch auch noch alte Platten und vielleicht sogar einen Plattenspieler? Ich kann Euch wärmstens empfehlen, diese wieder hervor zu holen!

Ich wünsche Euch einen wundervollen Tag mit viel schöner Musik!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Ein Tag am Meer Edition 2019…

Ein Tag am Meer Edition 2019…

Den heutigen Blogbeitrag möchte ich in einer etwas anderen Form verfassen. Ich richten ihn nicht nur an Euch liebe, virtuelle Amici, sondern auch an Cheyenne-Joy. Wenn ihr sie nicht kennt, macht das gar nichts. Ich kenne sie auch noch nicht und vielleicht heisst sie einmal auch völlig anders und vielleicht, was auch gut sein könnte, kann ich mir ihren Namen nie merken, wenn ich sie denn kennen lerne. Also: Cheyenne-Joy wird einmal unsere Pflegerin im Altersheim sein. So sagt zumindest der Signore. Oft, wenn wir gewisse Dinge erleben, sagt er, dass das so dermassen legendär sei, dass er dann einmal Cheyenne-Joy davon erzählen müsse. So viel also zur Einführung und zu den Plänen und vor allem zum Humor vom Signore…

Also…

Liebe Cheyenne-Joy,

weisst Du, wenn man jung ist, muss man auch mal etwas Verrücktes tun. Besonders dann, wenn es Dinge sind, die vielleicht völlig unnötig sind, von denen man aber trotzdem weiss, dass die Erinnerung daran immer wie ein Schatz im Herzen bleiben wird.

 

Darum haben der Signore und ich auch einmal recht spontan entschieden ein Zugticket zu kaufen und für ein Wochenende in unsere alte Heimat Florenz zu fahren. Das wäre ja eigentlich nicht so wahnsinnig verrückt. Aber dort angekommen hatten wir doch tatsächlich die Idee, einfach so zur Freude einen Fiat 500 Cabriolet zu mieten und damit zum Baden ans Meer zu fahren. Für andere mag das nicht so revolutionär klingen. Aber für uns, die wir die Arbeit zu oft über alles stellen, war der Gedanke, dass wir am Montag im Büro denken konnten, dass wir am Wochenende, einfach so zum Baden von der Schweiz ans Meer gefahren sind (und das erst noch in einem wuuuunderschönen Fiat 500) unglaublich revolutionär.

 

Wie haben wir gelacht und uns gefreut, als wir in diesem hübschen, dunkelblauen Gefährt gesessen sind (ich habe vor lauter Glück sogar ein paar Tränen verdrückt). Der liebe Signore wurde dabei sogar richtiggehend philosophisch und erklärte mir, dass dieses Auto eines der ganz grossen Geheimnisse der Italiener beinhalte. Denn sie würden vielleicht nicht die qualitativ besten Autos bauen. «Aber die Autos der Italiener wecken Emotionen», sagte der Signore ganz überzeugt zu mir. Und ja, das stimmt. Vielleicht ist es sowieso das, was uns am Leben in Italien so gefällt: Die Emotionen. Was nützt alle Pünktlichkeit und alle Leistung, wenn man darüber die Freude und das Glück oder vielleicht auch mal die Wut, die Trauer oder ganz einfach das Leben vergisst?

 

Das Leben ist so viel mehr als Arbeit und Alltagstrott… Vergiss das nie liebe Cheyenne-Joy (und vergesst auch Ihr das nicht liebe Amici und vor allem auch Du nicht mein lieber, herzensguter, bienenfleissiger Signore)!

 

Herzlichst, Deine/Eure Signora Pinella

P.S. Noch eine Anmerkung zum Schluss: Der Signore und ich waren ja im Mai bereits eine Woche in Florenz. Da er unmittelbar vor dieser Reise ein Aufgebot für seine sogenannte «Probevorlesung» erhielt (dabei geht es darum, dass von der Universität her geprüft wird, ob man jemandem, in dem Fall den Signore, auf Studenten loslassen und ihm den Titel Privatdozent verleihen will), war die Zeit , welche zum Teil auch als Ferien geplant gewesen war (der Signore musste tatsächlich auch noch an einem Kongress teilnehmen), einfach nur schrecklich stressig und null erholsam. Daher haben wir das nun nachgeholt. Denn allen Titeln zum Trotz (und glaubt mir, ich bin wahnsinnig stolz auf meinen cleveren, liebenswerten Marito), sind wir alle am Ende des Tages menschliche Wesen mit Ecken und Kanten, Träumen und Wünschen und vor allem ganz vielen Emotionen. Genau gleich wie die italienischen Autos…;)

Und noch ein weiteres P.S.: Warum dieser Tag am Meer für uns so von grosser Bedeutung war, könnt Ihr vielleicht erst ganz erfassen, wenn Ihr diesen Beitrag hier lest, den ich vor über fünf Jahren über den gleichen Ort geschrieben habe…

Verborgene Schätze…

Verborgene Schätze…

Heute nehme ich Euch mit an einen besonderen Ort, der mir sehr am Herzen liegt: In die Biblioteca delle Oblate in Florenz. Diese Bibliothek, die früher einmal von den Ordensschwestern bewohnt wurden, welche die Kranken im Spital Santa Maria Nuova gepflegt haben, ist für mich innerhalb der Stadt Florenz eine Zuflucht, wo ich Ruhe finde und mich besinnen kann. Denn so sehr ich das Gewusel und das Leben auf den Strassen liebe, so sehr brauche ich ab und zu auch eine kleine Auszeit.

Dass sich an diesem Ort auch noch eine wunderbare Bibliothek und ein Kaffee mit Ausblick auf den Dom befindet, macht das Ganze irgendwie vollkommen. Stille, Bücher und Kaffee an einem Ort. Was will man mehr?

Als der Signore und ich im Mai eine Woche in Florenz waren, der Signore musste an einen Kongress und ich durfte ihn begleiten, hatte ich endlich mal wieder Zeit für einen Besuch in der Oblate (sowieso war diese Woche so ein richtiges Florenz-Revival, bei dem wir viele Freunde getroffen, noch mehr gegessen und einfach eine schöne Zeit hatten). Dabei fiel mir ein, dass ich Euch nie davon erzählt habe. Vielleicht auch, weil ich diesen geheimen Lieblingsplatz eben für mich behalten wollte (obwohl so geheim ist er auch wieder nicht, denn er wird unter anderem von vielen, eifrigen Studenten bevölkert).

Diese Orte der Stille sind für mich aber wirklich sehr wertvoll. Anderseits glaube ich, dass wir die Stille auch immer wieder in uns selber finden müssen. Egal wie laut es um uns herum ist…

Ich hatte gerade diese Woche so einige Momente, in denen ich nicht nur einige meiner Mitmenschen, sondern auch mich selber gar nicht mehr mochte… Wenn es mir zu viel wird und mir Menschen zu nahekommen, dann wünschte ich mir oft, einfach mal ein paar Wochen in Klausur zu gehen und dem Lärm draussen Lebewohl zu sagen. Kennt Ihr dieses Gefühl auch?

Wenn es mir dann aber gelingt, einen Gang runter zu schalten, mir gut zuzureden, dann reicht das meist schon aus und der Eintritt ins Kloster erübrigt sich;) Denn genau um das geht es doch im Leben auch, dass man sich eingestehen kann, wenn etwas nicht stimmt (oder wenn man sich, wie das in letzter Zeit bei mir der Fall war, zu viel zugemutet hat), einen Ort der Stille sucht, sich seine Gedanken macht und dann wieder weitergeht. Wenn ich an unsere Zeit vor fünf Jahren in Florenz denke, merke ich, wie viel besser mir das heute gelingt. Ich erkenne besser, wann es mir zu viel wird, was mir nicht gut tut und vor allem wann ich etwas ändern muss.

Passend dazu möchte ich mit Euch einen weiteren Schatz teilen, den ich kürzlich gefunden habe. Ich habe Euch ja schon des Öfteren erzählt, dass ich wahnsinnig gerne Youtube-Videos gucke. Während es in der virtuellen Welt viel Schrott gibt, gibt es auch wahnsinnig wertvolle Dinge. So habe ich ein Video mit einer Atemmeditation gefunden, die mich zutiefst berührt hat (also ehrlich gesagt habe ich Rotz und Wasser geheult, als ich sie zum ersten Mal gemacht habe). In dieser Meditation geht es um folgende drei Sätze: «Ich tue genug, ich habe genug, ich bin genug.» Denn oftmals, wenn ich eine Grummel-Pinella bin, bin ich das auch deshalb, weil ich mich und meine Leistungen in Frage stelle und überzeugt bin, nicht zu genügen. Und wenn ich solche Gedanken habe, bin ich überzeugt, dass es auch vielen von Euch da draussen ab und zu so geht. Darum verlinke ich Euch hier auch diese wundervolle Meditation.

Und vielleicht braucht es das auch ab und zu, dass man auf sich zurückgeworfen und gezwungen wird, die Stille zu suchen und sich so seine Gedanken zu machen. Denn genau in diesen Situationen finde ich meist verborgene Schätze und begreife, um was es in meinem Leben wirklich gehen oder was ich ändern sollte…

So ging es mir übrigens damals auch mit der Oblate, die ich auf meiner Suche nach einem Ort der Ruhe in Florenz entdeckt habe, weil mir das Leben in Italien am Anfang so schwer fiel, mir alles zu laut war und ich meine Mitmenschen und mich manchmal nicht wirklich mochte… Offenbar wiederholen sich manche Geschichten immer mal wieder. Und die treuen Leserinnen und Leser von Euch können sich ja sicher noch gut daran erinnern, wie ich plötzlich begonnen habe auch in dieser Situation zu funktionieren, über mich hinaus zu wachsen und verborgene Schätze zu entdecken.

In dem Sinne wünsche ich Euch und mir immer wieder Orte der Stille und der Erkenntnis, aus denen heraus Neues entstehen kann!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

P.S. ich möchte mich noch vielmals bei Euch für die vielen, lieben Kommentare zum letzten Beitrag über die Babyshower für meine Sorella bedanken (ich verlinke Euch den Beitrag hier nochmals)! Gerade auch Eure Gedanken zum Mama-Sein bzw. Werden haben mich enorm berührt und ermutigt. Sowieso freue ich mich immer riesig, wenn Ihr mir schreibt, was ihr so denkt und erlebt. Das gibt mir enorm viel und ist, so glaube ich zumindest, auch für andere Leserinnen und Leser enorm wertvoll und wichtig!

Ein Wunder im Bauch…

Ein Wunder im Bauch…

Seit jeher bin ich überzeugt, dass es Wunder gibt. Einfach diese Dinge, die entgegen allen Prognosen passieren. Eines dieser Wunder wurde gestern gefeiert. Denn meine Sorella Madame Gaianna (hier gehts zu ihrem Blog) wird Mama und ich werde damit ein weiteres Mal Zia Pinella. Das ist ein Titel, den ich nun schon seit vielen Jahren mit Stolz trage. Ich habe ja schon oft geschrieben, wie sehr ich meine Nichten allesamt liebe. Umso mehr freue ich mich, dass nun noch ein weiteres Menschenkind dazu kommt. 

Bereits bei meiner ältesten Sorella habe ich damals eine Babyshower organisiert. Das war seinerzeit in der Schweiz noch nicht so bekannt. Ich hatte die Idee aus meiner liebsten Fernsehserie „Gilmore Girls“. Und so musste meine grosse Sorella als Versuchskaninchen für alle weiteren Babyshowers, die darauf folgten, herhalten. Mittlerweile sind es schon einige und eben gestern feierten wir dann die Schwangerschaft von Madame Gaianna. 

Ich wusste, dass sie sich nicht zu viel aus den klassischen Partyspielen macht. An Windeln riechen und Babybrei testen war also nix. Als ich vor einiger Zeit las, dass bei der Babyshower der Herzogin von Sussex, besser bekannt als Meghan Markle, angeblich ein Floristik-Kurs Teil des Programms war, wusste ich, dass das auch für meine Sorella perfekt passt (dass ich ein Fan von La Markle bin, habe ich Euch bereits hier erzählt). Zu meinem grossen Glück, ist unsere Cousine eine ganz wunderbare Floristin und hat sich für das Projekt einspannen lassen. Sie hat uns gezeigt, wie man romantische Blumenkränze als Kopfschmuck bindet und so hatten zum Schluss alle Frauen Blumen auf dem Kopf und sahen allesamt wie hübsche Elfenkinder aus.

Mamma Pinella und ich haben dann noch ein Kasperlitheater gemacht (die Puppen dafür hatte ich selber gebastelt, wie das geht, habe ich Euch hier schon mal gezeigt) und dabei die Liebesgeschichte von meinem neuen Cognato und meiner Sorella erzählt. Zumindest Mamma Pinella und ich fanden das super lustig.

Und dann wurde gegessen und getrunken (ihr müsst unbedingt mal die Kombination von Rimuss-Secco und den Sirups von Mikks ausprobieren – besonders die Variante mit Basilikum hat es mir angetan), es gab viele Geschenke und ein paar Tränen der Rührung.

Ich weiss, dass jedes Kind ein Wunder ist. Aber irgendwie sind alle meine Nichten für mich besondere Wunderkinder. Auch deshalb, weil ihrem Werden eine besondere, wundersame Geschichte vorausgegangen ist und weil sie eigentlich fast alle aus besonderen Gründen nicht existieren sollten (also zumindest wenn es nach der Vorhersage von Ärzten gegangen wäre). Aber sie sind alle da und ich hoffe und bete, dass auch das nächste Mitglied der Familie Pinella gesund und gut auf die Welt kommen wird. 

Aber entgegen aller Vorhersagen passieren eben immer wieder solche Wunder, die uns hoffen und an das Gute glauben lassen. Gerade wenn es um Kinder geht, hört man oft so viele negative Dinge. Nicht nur wenn es um medizinische Prognosen, sondern auch um den Alltag mit Kindern geht. Ich habe schon zig mal gesagt bekommen, was ich dann alles nicht mehr tun könne, wenn ich einmal ein Kind habe (das macht das Ganze nicht besonders attraktiv und ist mit ein Grund, warum ich mich bisher nicht zu diesem Schritt durchringen konnte). Ich war diese Woche übrigens extremst positiv schockiert, als ich eine liebe Freundin und ihre Kleine besucht und gesehen habe, was alles trotz Baby noch möglich ist. Stellt Euch vor, sie geht sogar auf den Markt und backt mit einem kleinen Baby Kuchen!

Ihr seht, meine Woche war sehr emotional und bewegt und ich teile die Bilder und Erlebnisse davon gerne mit Euch, weil ich Euch ebenfalls ermutigen möchte, an Wunder zu glauben und diese auch zu feiern. Deshalb organisiere ich auch so gerne Babyparties. Weil man da so richtig das Leben und ein kleines Wunder im Bauch feiern kann!

Übrigens: Der Signore ist fest davon überzeugt, dass man bei einer Babyshower der Mutter einen Helm anziehen und sie dann mit Babypuppen übergiessen sollte. Er plant das zumindest für mich so, wenn ich einmal ein Kind bekommen sollte… Ich habe ihm dann erklärt, dass es eher darum geht, die Mutter nochmals mit richtig viel Liebe zu übergiessen und ihr zu zeigen, dass sie in der Familie und dem Freundeskreis gut aufgehoben ist und Unterstützung erhält. Der Signore kam dann aber gestern trotzdem wieder mit den Puppen an… Er hat sich während der Party übrigens mit dem zukünftigen Papa zum Bowlen und einem feinen Essen getroffen. Das mit den Blumenkränzen wäre definitiv weniger sein Ding gewesen.

Ich wünsche Euch, dass Ihr auch den Mut habt auf Wunder zu hoffen und die nötigen Schritte in diese Richtung zu tun (denn ein bisschen Mut gehört eben bei den Wundern auch mit dazu)!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

La Signora im Zirkus-Fieber…

La Signora im Zirkus-Fieber…

Mit Schrecken habe ich diese Woche festgestellt, dass ich schon wieder viel zu lange keinen Beitrag für den Blog geschrieben habe. Wer mir auf Instagram (hier gehts zu meinem Profil) folgt, weiss, dass meine Wochen einfach überfüllt waren. Ich habe seit Anfang dieses Jahres permanent das Gefühl, nicht hinterher zu kommen und wenn eine grosse Sache geschafft ist, kommt schon wieder das nächste Projekt. Das ist einerseits schön – besonders auch, weil der liebe Signore im Mai einen wichtigen, beruflichen Meilenstein erreicht hat und ich sehr, sehr stolz auf ihn bin – anderseits komme ich dann zwischenzeitlich auch an den Punkt, an dem ich einfach nicht mehr mag oder mir mein Körper mit einem üblen Migräne-Anfall ganz deutlich sagt, dass genug ist.

Grundsätzlich habe ich gemerkt, dass ich zu den Menschen gehöre, die einerseits viel Zeit für sich alleine brauchen (ja, es gibt Tage, da bin ich richtig asozial und will einfach nur meine Ruhe haben), anderseits schätze ich es auch sehr, wenn Zeit für die schönen Dinge im Leben bleibt. Und so hat mich der Signore im Mai, ungeachtet dem riesigen Programm, das wir sonst noch hatten, einen Nachmittag lang in den Zirkus Knie mitgenommen. Zuvor hatte ich in verschiedenen Zeitungen gelesen, dass etliche Promis zum Boykott des Zirkus aufrufen und dass die Tierdressur sowieso ganz böse sei und so weiter. Ich ging also präventiv schon mal mit einem grossen, schlechten Gewissen dahin und was soll ich sagen… Es war einfach wuuuuuuuuunderschön! Ich liebe bereits das Gefühl, wenn man den Zirkus betritt, den Duft nach Sägemehl, Popcorn und ja Mist (ja im Zirkus gehört der einfach auch dazu). Und kaum ging es dann los, habe ich Rotz und Wasser geheult. Aber so richtig übel mit Schütteln und Schminkeverschmieren und so. Es war einfach soooo schön. Ich habe aber auch gelacht und gestaunt und dann wieder geheult und danach war ich fix und fertig und sehr, sehr glücklich.

Der Zirkus Knie ist ja der grosse Schweizer Zirkus und feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wird im Textilmuseum St. Gallen eine grosse Sonderausstellung mit Kleidern aus den vergangenen 100 Zirkusjahren gezeigt. Ich hatte kürzlich auf einer Pressereise das Glück diese Ausstellung zu sehen und war auch da einfach hin und weg. 

Ich kann Euch einen Besuch im Textilmuseum oder eben auch im Zirkus wärmstens empfehlen. Beide Dinge sind sehenswert und wunderschön unter www.textilmuseum.ch und www.knie.ch findet ihre die Öffnungszeiten und den Spielplan.

Und übrigens: Ja, man kann über das Thema Tierdressur geteilter Meinung sein. Aber ich muss auch sagen, dass ich den Eindruck hatte, dass die Familie Knie ihre Tiere gut umsorgt – ich habe im Anschluss auch noch Berichte zu dem Thema gesucht und gelesen. Der Signore hat mich dann ebenfalls getröstet und hat mir erklärt, dass der Zirkus schliesslich auch Kultur sei. Ich persönlich finde es aktuell sehr anstrengend, wie viele Dinge aktuell sehr streng beobachtet und teilweise auch gerichtet werden – oft auch von Menschen, die in anderen Lebensbereichen für sich selber sehr viel Toleranz und Freiheiten fordern. Am Ende des Tages habe ich beim Verlassen des Zirkus so viele glückliche und inspirierte Menschen gesehen, dass ich für mich zum Schluss kam, dass das doch nicht einfach nur verkehrt sein kann… Mich hat es auch zutiefst berührt, wie die Familie Knie ihre Traditionen lebt, zusammensteht und ihre Liebe zum Zirkus von einer Generation an die nächste weitergibt. So etwas sieht man nicht oft.

Und wer weiss, vielleicht werde ich, wenn der Zirkus Knie im November in meiner Heimatstadt Thun gastiert, nochmals hingehen und dann werde ich nochmal weinen, lachen und vor allem viel, viel staunen!

Im Mai war ich übrigens auch eine Woche mit dem Signore in Florenz und habe wieder Bilder und Geschichten für Euch gesammelt… Und ich habe mir fest vorgenommen, die so schnell wie möglich mit Euch zu teilen. Denn auch das Bloggen ist ja so eine Sache, die mir eigentlich sehr gut tut und für die ich mir wieder mehr Zeit nehmen möchte…

Ich wünsche Euch ein wundervolles Wochenende und dass auch Ihr Zeit für die Dinge findet, die Euch so richtig gut tun!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Mehr als Eierfärben und Schoggihasen…

Mehr als Eierfärben und Schoggihasen…

Spontan habe ich heute Morgen entschieden diesen Beitrag zu schreiben. Die letzten zwei Wochen waren bei mir wieder bis obenhin vollgepackt, so dass irgendwie einfach für nichts Zeit blieb. Obwohl ich es gerne mag, wenn bei mir viel läuft, hat mich diese Zeit etwas an meine Grenzen gebracht. Einmal mehr musste Papa Pinella ins Spital und das mag ich gar nicht. Einfach auch weil er kein Jüngling mehr ist und man in solchen Momenten dann hin und wieder mal an die Endlichkeit des Menschen denkt. Dazu kam noch ein gewaltiger Berg Arbeit und ich merkte, wie mir der Stress psychisch und physisch immer mehr zusetzte.

So hatte ich mir aber auch ganz fest vorgenommen, dass ich mir das Eierfärben mit Mama Pinella nicht entgehen lassen will. Ich mache das extrem gerne und hatte die letzten Jahre nie Zeit dafür. Diese Momente, wenn man mit jemandem herumwerkeln und etwas Schönes schaffen kann, gehören für mich zu den allerwertvollsten Dingen in meinem Leben. Mit Ach und Krach habe ich es dann irgendwie geschafft, das Eierfärben in alle meine hunderttausend Termine hinein zu quetschen. Mit dem Ergebnis bin ich übrigens sehr zufrieden. Wir haben zum ersten Mal nicht nur mit Zwiebelschalen gefärbt, sondern noch weitere Naturfarben verwendet. Nächstes Jahr möchte ich zusätzlich Eier in Blau und Lila färben.

Wenn man so vor sich hin werkelt, hat man auch Zeit sich die einen oder anderen Gedanken über Gott und die Welt zu machen. Gerade Ostern bringt mich dabei immer etwas in einen Zwiespalt. Über all dem Dekorieren, Basteln und Backen gerät die Bedeutung dieses Festes manchmal etwas in Vergessenheit.

Ich muss ehrlich gestehen, dass für mich die Ostergeschichte nach wie vor irgendwie ein Mysterium ist. Einfach eines der Dinge, von denen ich glaube, das es die menschliche Art zu denken einfach übersteigt. Die Essenz über die Freude der Auferstehung, über die Tatsache, dass der Tod nicht die letzte Instanz ist, bedeuten mir aber sehr viel. Gerade in solchen Situationen, in denen ich mich selber auch wieder mit der irdischen Endlichkeit konfrontiert sehe.

Meine älteste Sorella erzählte mir kürzlich, dass es Menschen gibt, die aus religiösen Gründen keine Ostern feiern – weil das Fest heidnisch sei und gar nichts mit der Bibel zu tun habe und so weiter. Ich bin mir auch bewusst, dass die Geschichte vom Osterhasen, der die Eier bringt, aus Elementen der uralten Fruchtbarkeitsriten zu Beginn des Frühjahres stammt. Ich weiss, dass das Ei das Fruchtbarkeitssymbol schlechthin ist und über die Triebhaftigkeit der Karnickel müssen wir auch nicht diskutieren. Ich weiss auch, dass es bei Ostern um mehr als ums Eierfärben und Schoggihasen geht. Aber deshalb keine Ostern mehr feiern? Das wäre nichts für mich.

Denn ist es nicht genau dieses Innehalten, dass man zur Ruhe kommt und daran denken kann, dass ein neuer Frühling, ein neues Leben kommt und dass auf die Dunkelheit das Licht folgt, was dieses Fest so besonders macht?

Schlussendlich muss jeder für sich entscheiden, was er oder sie von Ostern denkt und welche Bedeutung man dem Fest gibt. Aber alleine die Freude über das Neue, das es in sich trägt, macht es für mich unendlich wertvoll und ich bin dankbar dafür, dass die himmlische Perspektive mein eigenes, irdisches und oft so unvollkommenes Dasein immer wieder hell erleuchtet!

Wie seht Ihr das und welche Ostertraditionen sind Euch besonders wichtig?

Ich wünsche Euch einen wundervollen Sonntag und «Frohe Ostern»!

Herzlichst, Eure Signora Pinella