Ein Tag am Meer Edition Schweden…

Ein Tag am Meer Edition Schweden…

Damit ich dann mal auch wieder über andere Dinge schreiben kann, geht es heute direkt weiter mit meinem Reisebericht. Unsere «gemütliche Schwedenreise» hat mich emotional ja etwas gefordert (darüber habe ich bereits hier geschrieben). Und so hatte ich ziemlich genau in der Mitte der Reise etwas ein Tief… Ich war einfach müde und wollte endlich mal wieder schwimmen gehen (denn das gehört für mich ganz fest zum Sommer dazu und war zuvor wirklich zu kurz gekommen). Also liessen wir für einen Tag Städte und Sehenswürdigkeiten links liegen und suchten uns in der Region Helsingborg (also etwas im Norden von Helsingborg) einen schönen Strand und genossen einen Tag lang das süsse Nichtstun.

Interessanterweise ist das Strandgefühl in Schweden gar nicht so viel anders, als in meinem heissgeliebten Italien (wie dort ein Tag am Meer aussieht habe ich Euch hier und hier bereits erzählt). Abgesehen davon, dass das Wasser und die Luft weniger warm sind und die Schweden nie den Lärmpegel der Italiener erreichen, fand ich auch dort alles, was mich glücklich macht: Meer, Sand, Muscheln und dieses tiefe Gefühl von Ruhe und Glück.

Auf den Tag am Meer folgte dann eine Nacht auf einem wirklich interessanten Agrotourismus-Betrieb, wo ich auch sofort ein Interview für die Zeitung machen musste, bei der ich arbeite. Das mit der Work-Life-Balance klappt bei mir eben nicht wirklich immer so gut… Zum Glück nimmt das der Signore, der mich nun halt schon sehr lange und sehr gut kennt, mittlerweile sehr gelassen!

Am Tag darauf sahen wir uns Malmö an. Ich hatte zuerst die Idee, Malmö auszulassen und noch einen Abstecher nach Dänemark zu machen. Denn ich war erst einmal in Dänemark und das auch nur für rund 20 Minuten (wir sind damals in einem Flugangst-Seminar mit der Swiss dahingeflogen und leider reichte die Zeit in Kopenhagen nur für eine kleine Pinkelpause und danach ging es auch schon wieder zurück nach Zürich). Also hatte ich mir in den Kopf gesetzt, Kopenhagen nochmals zu sehen. Schlussendlich waren wir aber vom vielen Autofahren so dermassen geschafft, dass wir in Schweden blieben und uns Malmö ansahen.

Zu Malmö hatte ich so gar keine Vorstellung im Kopf. Eine Freundin sagte mir, dass es nicht so schön sei und darum hatte ich auch keine hohen Erwartungen an diese Stadt und wurde schlussendlich sehr positiv überrascht. Malmö ist klein, aber fein und meiner Meinung nach sehr hübsch. Solltet Ihr also mal in die Nähe dieser Stadt sein, dann schaut sie Euch an.

Im nächsten Teil der Schwedenreise wird es übrigens dann ganz royal. Ich freue mich jetzt schon darauf!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Geschichten von Dill, Lagom und Göteborg…

Geschichten von Dill, Lagom und Göteborg…

Heute nehme ich Euch mit nach Göteborg und wir schauen uns das schwedische Essen ein bisschen genauer an. Denn mit dem Essen in Schweden ist das eine interessante Sache. Ich mochte es eigentlich sehr. Ja, es war wirklich lecker, gesund und bekömmlich und irgendwie sehr vernünftig. Sowieso kam mir alles in Schweden einfach sehr, sehr vernünftig und ausgewogen vor. Nicht von ungefähr gibt es mittlerweile sehr viel Ratgeber, in denen über die schwedische Art zu leben geschrieben wird. «Lagom» ist bei diesem Thema das Schlagwort schlechthin. Es steht für eine Philosophie des «nicht zu viel und nicht zu wenig». Interessanterweise gibt es laut Wikipedia nur in einer Sprache ein Äquivalent zum Begriff «Lagom» und dieses Wort lautet «gäbig». Wir Berner verwenden dieses Adjektiv gerne und häufig. Wenn etwas gäbig ist, ist es nicht einfach nur gut, sondern auch angenehm und eben bekömmlich oder einfach. Genau wie das schwedische Essen.

Nach all dem Lob werdet Ihr nun aber vielleicht überrascht sein, wenn ich Euch gestehe, dass ich nach maximal fünf Tagen so dermassen die Nase voll hatte von diesem vernünftigen, bekömmlichen Essen und unbedingt genau etwas wollte: Einen grossen Teller Pasta. Auch mit dem omnipräsenten Dill und der Mayonnaise, die einfach irgendwie aus Prinzip noch irgendwie auf jedem Teller landete, konnte ich mich nicht so recht anfreunden (die einzige Ausnahme machte da eine wirklich extrem gute Trüffel-Mayonnaise, die wir zu echt leckeren Pommes Frites serviert bekamen).

Interessanterweise habe ich aber nun seit unserer Reise oft Lust auf Fisch mit Kartoffeln und Gemüse. Ich mochte Fisch immer schon sehr und seit wir wieder daheim sind, kommt er nun wieder häufiger bei uns auf den Tisch.

So scheine ich von der schwedischen Lagom-Küche nun doch etwas mitgenommen zu haben. Vielleicht ist es auch einfach die Idee, dass man gesunde Menüs mit viel Gemüse und Fisch im Wechsel mit einer grossen Kohlehydratbombe wie Pasta oder Pizza essen kann. Für Seele und Körper ist das dann wohl am «gäbigsten» oder eben lagom. Nicht zu viel, nicht zu wenig.

Essenstechnisch habe ich mich in Schweden übrigens in die wunderschöne «Saluhallen» am Kungstorget 411 in Göteborg verliebt. Ich habe ja eine ausgeprägte Schwäche für grosse Markthallen und wenn es in einer Stadt eine hat, dann will ich dahin (hier habe ich über den schönen Markt in Florenz und hier über den in Toronto berichtet). Grundsätzlich gefiel mir Göteborg, das ist übrigens sie zweitgrösste Stadt Schwedens, sehr. Nebst der Markthalle haben wir uns dort auch noch das Schiffsmuseum und den Dom angesehen. Letztere ist – und da waren der Signore und ich uns einig – eine der absolut schönsten Kirchen, die wir je gesehen haben. Sie ist hell und nicht zu viel und nicht zu wenig dekoriert – ganz lagom eben.

Nach Göteborg ging es für uns für eine Nacht weiter nach Ljungskile. Dort hatte ich dann die schlimmste Essenskrise der ganzen Reise und erklärte dem Signore, dass ich entweder sofort einen Antipasti-Teller oder eben Pasta wolle. Und wisst Ihr, wo wir schlussendlich gelandet sind? In einem Restaurant mit dem Namen «Musselbaren». Und was haben wir dort wohl gegessen? Ja, Moules et Frites. Nix mit Pasta… Schlussendlich war es aber extrem lecker und auch das der Ausblick aufs Meer war einfach traumhaft schön.

So ist es halt. Wer auf Reisen gehen will, muss auch mal die eigene Komfortzone verlassen.

Ich hoffe, dass Euch unser Ausflug gefallen hat und wünsche Euch einen guten Start in die neue Woche!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Knäckebrot und Örebro…

Knäckebrot und Örebro…

Während ich meinen ersten Blogbeitrag über Schweden noch ganz motiviert aus den Ferien geschrieben habe (hier könnt Ihr ihn lesen), ging es nun etwas länger, bis ich dazu gekommen bin, die nächsten Beiträge zu schreiben. Das hat zwei Gründe. Als wir noch in Schweden waren, habe ich festgestellt, dass es mich daran hindert, mich richtig zu entspannen, wenn ich noch mehr schreibe. Das Bloggen ist dann irgendwie doch zu nahe an meinem beruflichen Alltag. So habe ich mir die Erlaubnis erteilt, einfach mal nichts zu tun (was mir sehr schwerfiel). Fotos habe ich trotzdem immer fleissig gemacht, so dass ich den Reisebericht nun doch schreiben kann.

Zweitens ist mir die Rückkehr von den Ferien dieses Mal enorm schwergefallen. Ich habe mich irgendwie gar nicht mehr im Alltag zurechtgefunden und fühlte mich etwas überfordert. Dazu muss ich sagen, dass ich dieses Phänomen an mir bei Flugreisen viel stärker beobachte, als wenn ich mit dem Zug oder Auto unterwegs bin.

Das Fliegen ist mir einfach immer noch suspekt und lässt mir zu wenig Zeit, mich in die veränderte Situation hineinzufinden. Trotzdem beginne ich mich damit abzufinden, dass man sich ab und zu in ein Flugzeug setzen muss (zumindest dann, wenn man wie ich gerne etwas von der Welt sehen möchte…).

Nun aber zurück zu unserer Schwedenreise. Während ich bei einem weiteren Besuch gerne eher mit Camper und in Ruhe durch Schweden reisen möchte, haben wir uns dieses Mal für eine etwas andere, ehrlich gesagt etwas weniger gemütliche Variante entschieden, dank der wir aber auch wirklich viel gesehen haben. Wir haben über einen Anbieter in der Schweiz eine ganze Tour buchen lassen, bei der wir innerhalb von 13 Tagen eine Rundreise mit dem Auto gemacht haben und in neun verschiedenen Hotels waren. Der Signore und ich haben uns immer lustig gemacht, weil wir eine «Gemütliche Schwedenreise» gebucht haben und bereits diese recht anstrengend fanden. Wir fragten uns dann, was wäre, wenn wir etwas Anderes, als gemütlich gebucht hätten…

Während wir zum Angewöhnen die ersten zwei Nächte in der Provinz Dalarna verbrachten, ging es danach weiter nach Örebro. Auf dem Weg dorthin wollte ich unbedingt im «Kulinariet Stora Skedvi» einen Zwischenstopp einlegen. Mir war der Ort empfohlen worden und da dort nicht nur wunderbare schwedische Produkte, so unter anderem auch Knäckebrot, hergestellt, sondern diese auch verkauft und in einem hübschen Restaurant serviert werden, war der Ort perfekt für uns. Mein persönliches Highlight war dann auch, dass dort zwei Knäckebrote ausgestellt waren, die von Prinz Carl Philip und seiner Frau Sofia gebacken wurden. Ich bin der schwedischen Königsfamilie sehr zugetan und freute mich sehr, wenn irgendwo auf sie hin verwiesen wurde. In einem weiteren Beitrag werde ich Euch aber noch mehr zu den schwedischen Royals erzählen. Weitere Infos zum «Kulinariet» findet Ihr unter: www.kulinariet.se Wenn Ihr Geniesser seid und gerne gute, einheimische Produkte esst, ist ein Besuch dort ein absolutes Muss.

Danach ging es für uns weiter nach Örebro. Das ist eine sehr hübsche Stadt in der gleichnamigen Provinz, die am Fluss Svartån liegt, der kurz darauf in den Hjälmaren, Schwedens viertgrössten See, mündet. Leider hatten wir auch, eben trotz unserer gemütlichen Schwedenreise, dort nicht so viel Zeit und haben uns dann einfach auf den Besuch des Freilichtmuseums «Wadköping» und einen Bummel durch die Stadt beschränkt. Wohin es danach weiterging, erzähle ich Euch dann in meinem nächsten Beitrag.

Und noch was: Das Knäckebrot, welches wir im «Kulinariet» gekauft haben, hat uns die ganzen Ferien über wunderbar versorgt. Kein Wunder, dass die Schweden so sehr auf ihr Knäckebrot stehen und es dort quasi eine Art Grundnahrungsmittel ist. Ich mag es wirklich auch sehr gerne und habe mir vorgenommen, künftig immer etwas Knäckebrot im Haus zu haben.

Ich wünsche Euch einen wundervollen Tag und hoffe, dass Ihr den virtuellen Ausflug mit uns auf unserer «gemütlichen» Schwedenreise genossen habt;)!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Viele rote Pferde und ein Deal…

Viele rote Pferde und ein Deal…

Ja, ich habe mich wirklich nach Ferien gesehnt. Nicht nur das, ich fühlte mich in den letzten Wochen ziemlich müde und ausgebrannt und aus Erfahrung weiss ich, dass ein Ortswechsel da manchmal das beste Gegenmittel ist. 

In meinem Kopf schwirrte schon länger die Idee herum, einmal Schweden zu besuchen. Ich habe mir dieses Land immer sehr schön, gross und weit und irgendwie unkompliziert vorgestellt. Ansonsten bin ich ja wirklich ein grosser Fan vom Süden, von der Wärme und ja, Ihr wisst es, vom Land, in dem die Zitronen blühn – also Italien. Gerade deshalb sollte es dieses Jahr einmal etwas ganz Anderes sein. 

Und obwohl das Fliegen ja nicht so mein Ding ist, habe ich mich überwunden und dem Signore gesagt, dass ich gerne nach Schweden gehen würde. Mein Marito ist in diesen Dingen sehr spontan und vor allem auch begeisterungsfähig und hat uns in kürzester Zeit ins Land von Kanelbullar, weiten Seen und Wäldern und eben den hübschen, roten Holzpferden verfrachtet. Die Pferde werden übrigens traditionellerweise in der Provinz Dalarna hergestellt und heissen Dalapferd. Traditionellerweise wurden diese Holzspielzeuge während der langen Winter für die Kinder geschnitzt. Und da ich bereits als Kind eine grosse Schwäche für Holzspielsachen hatte, ist es kein Wunder, dass ich auch voll auf diese Pferdchen abfahre.

Könnt Ihr Euch noch an die liebe „Baumhausfee“ erinnern mittlerweile findet Ihr sie auf hejhej.ch zu finden. Sie ist für mich die Personifizierung der Schwedenliebe. Sie hat mir dann auch auf Instagram empfohlen, dass wir uns in Nusnäs die Produktion der Dalapferde anschauen sollten. Das haben wir dann heute auch gemacht und ich muss sagen, dass das ein sehr guter Hinweis war. Auch das Städtchen Mora ist ein Besuch wert. Die Ruhe und Gemütlichkeit dort ist Balsam für alle gestressten Seelen.

Kürzlich habe ich gelesen, dass es nicht auf die Länge und die Dauer der Ferien ankomme. Alleine das Gefühl der Distanz sorge für einen grossen Erholungseffekt. Ich muss aber gestehen, dass ich eben gerade die Distanz einstweilen etwas Wunderbares finde und gewillt bin, diese bis zum Schluss von ganzem Herzen zu geniessen.

Und ich hoffe, dass in dieser Zeit die gemütlichen, entspannten Schweden auch sonst etwas auf mich abfärben. Denn obwohl ich eigentlich so sehr ein Genussmensch bin, dominiert bei mir viel zu oft die Arbeit oder ich vergesse mich selbst, weil ich es doch so gerne allen Anderen recht machen würde… Kennt Ihr dieses Gefühl auch? Am Ende des Tages nützt das aber genau gar niemanden. Und darum gibt es jetzt eine intensive Schwedenkur für mich. Bis jetzt gefällt es mir hier jedenfalls enorm gut und werde Euch gerne auf unsere Reise durch diese schöne Land mitnehmen! Denn wir reisen nämlich noch eine ganze Weile weiter und ich bin so gespannt, was wir alles noch sehen werden.

Ich hoffe, dass Ihr Euch eine Auszeit gönnen und einfach mal das tun könnt, was für Euch gut und wichtig ist! Und dann schlage ich Euch einen Deal vor: Wenn wieder der Alltag beginnt, erinnern wir uns alle gegenseitig ab und zu daran, Auszeiten zu nehmen und es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, dass die Erschöpfung überhand nimmt! Ok?

Liebe Grüsse aus dem Norden, Eure Signora Pinella

Ein Tag am Meer Edition 2019…

Ein Tag am Meer Edition 2019…

Den heutigen Blogbeitrag möchte ich in einer etwas anderen Form verfassen. Ich richten ihn nicht nur an Euch liebe, virtuelle Amici, sondern auch an Cheyenne-Joy. Wenn ihr sie nicht kennt, macht das gar nichts. Ich kenne sie auch noch nicht und vielleicht heisst sie einmal auch völlig anders und vielleicht, was auch gut sein könnte, kann ich mir ihren Namen nie merken, wenn ich sie denn kennen lerne. Also: Cheyenne-Joy wird einmal unsere Pflegerin im Altersheim sein. So sagt zumindest der Signore. Oft, wenn wir gewisse Dinge erleben, sagt er, dass das so dermassen legendär sei, dass er dann einmal Cheyenne-Joy davon erzählen müsse. So viel also zur Einführung und zu den Plänen und vor allem zum Humor vom Signore…

Also…

Liebe Cheyenne-Joy,

weisst Du, wenn man jung ist, muss man auch mal etwas Verrücktes tun. Besonders dann, wenn es Dinge sind, die vielleicht völlig unnötig sind, von denen man aber trotzdem weiss, dass die Erinnerung daran immer wie ein Schatz im Herzen bleiben wird.

 

Darum haben der Signore und ich auch einmal recht spontan entschieden ein Zugticket zu kaufen und für ein Wochenende in unsere alte Heimat Florenz zu fahren. Das wäre ja eigentlich nicht so wahnsinnig verrückt. Aber dort angekommen hatten wir doch tatsächlich die Idee, einfach so zur Freude einen Fiat 500 Cabriolet zu mieten und damit zum Baden ans Meer zu fahren. Für andere mag das nicht so revolutionär klingen. Aber für uns, die wir die Arbeit zu oft über alles stellen, war der Gedanke, dass wir am Montag im Büro denken konnten, dass wir am Wochenende, einfach so zum Baden von der Schweiz ans Meer gefahren sind (und das erst noch in einem wuuuunderschönen Fiat 500) unglaublich revolutionär.

 

Wie haben wir gelacht und uns gefreut, als wir in diesem hübschen, dunkelblauen Gefährt gesessen sind (ich habe vor lauter Glück sogar ein paar Tränen verdrückt). Der liebe Signore wurde dabei sogar richtiggehend philosophisch und erklärte mir, dass dieses Auto eines der ganz grossen Geheimnisse der Italiener beinhalte. Denn sie würden vielleicht nicht die qualitativ besten Autos bauen. «Aber die Autos der Italiener wecken Emotionen», sagte der Signore ganz überzeugt zu mir. Und ja, das stimmt. Vielleicht ist es sowieso das, was uns am Leben in Italien so gefällt: Die Emotionen. Was nützt alle Pünktlichkeit und alle Leistung, wenn man darüber die Freude und das Glück oder vielleicht auch mal die Wut, die Trauer oder ganz einfach das Leben vergisst?

 

Das Leben ist so viel mehr als Arbeit und Alltagstrott… Vergiss das nie liebe Cheyenne-Joy (und vergesst auch Ihr das nicht liebe Amici und vor allem auch Du nicht mein lieber, herzensguter, bienenfleissiger Signore)!

 

Herzlichst, Deine/Eure Signora Pinella

P.S. Noch eine Anmerkung zum Schluss: Der Signore und ich waren ja im Mai bereits eine Woche in Florenz. Da er unmittelbar vor dieser Reise ein Aufgebot für seine sogenannte «Probevorlesung» erhielt (dabei geht es darum, dass von der Universität her geprüft wird, ob man jemandem, in dem Fall den Signore, auf Studenten loslassen und ihm den Titel Privatdozent verleihen will), war die Zeit , welche zum Teil auch als Ferien geplant gewesen war (der Signore musste tatsächlich auch noch an einem Kongress teilnehmen), einfach nur schrecklich stressig und null erholsam. Daher haben wir das nun nachgeholt. Denn allen Titeln zum Trotz (und glaubt mir, ich bin wahnsinnig stolz auf meinen cleveren, liebenswerten Marito), sind wir alle am Ende des Tages menschliche Wesen mit Ecken und Kanten, Träumen und Wünschen und vor allem ganz vielen Emotionen. Genau gleich wie die italienischen Autos…;)

Und noch ein weiteres P.S.: Warum dieser Tag am Meer für uns so von grosser Bedeutung war, könnt Ihr vielleicht erst ganz erfassen, wenn Ihr diesen Beitrag hier lest, den ich vor über fünf Jahren über den gleichen Ort geschrieben habe…

Verborgene Schätze…

Verborgene Schätze…

Heute nehme ich Euch mit an einen besonderen Ort, der mir sehr am Herzen liegt: In die Biblioteca delle Oblate in Florenz. Diese Bibliothek, die früher einmal von den Ordensschwestern bewohnt wurden, welche die Kranken im Spital Santa Maria Nuova gepflegt haben, ist für mich innerhalb der Stadt Florenz eine Zuflucht, wo ich Ruhe finde und mich besinnen kann. Denn so sehr ich das Gewusel und das Leben auf den Strassen liebe, so sehr brauche ich ab und zu auch eine kleine Auszeit.

Dass sich an diesem Ort auch noch eine wunderbare Bibliothek und ein Kaffee mit Ausblick auf den Dom befindet, macht das Ganze irgendwie vollkommen. Stille, Bücher und Kaffee an einem Ort. Was will man mehr?

Als der Signore und ich im Mai eine Woche in Florenz waren, der Signore musste an einen Kongress und ich durfte ihn begleiten, hatte ich endlich mal wieder Zeit für einen Besuch in der Oblate (sowieso war diese Woche so ein richtiges Florenz-Revival, bei dem wir viele Freunde getroffen, noch mehr gegessen und einfach eine schöne Zeit hatten). Dabei fiel mir ein, dass ich Euch nie davon erzählt habe. Vielleicht auch, weil ich diesen geheimen Lieblingsplatz eben für mich behalten wollte (obwohl so geheim ist er auch wieder nicht, denn er wird unter anderem von vielen, eifrigen Studenten bevölkert).

Diese Orte der Stille sind für mich aber wirklich sehr wertvoll. Anderseits glaube ich, dass wir die Stille auch immer wieder in uns selber finden müssen. Egal wie laut es um uns herum ist…

Ich hatte gerade diese Woche so einige Momente, in denen ich nicht nur einige meiner Mitmenschen, sondern auch mich selber gar nicht mehr mochte… Wenn es mir zu viel wird und mir Menschen zu nahekommen, dann wünschte ich mir oft, einfach mal ein paar Wochen in Klausur zu gehen und dem Lärm draussen Lebewohl zu sagen. Kennt Ihr dieses Gefühl auch?

Wenn es mir dann aber gelingt, einen Gang runter zu schalten, mir gut zuzureden, dann reicht das meist schon aus und der Eintritt ins Kloster erübrigt sich;) Denn genau um das geht es doch im Leben auch, dass man sich eingestehen kann, wenn etwas nicht stimmt (oder wenn man sich, wie das in letzter Zeit bei mir der Fall war, zu viel zugemutet hat), einen Ort der Stille sucht, sich seine Gedanken macht und dann wieder weitergeht. Wenn ich an unsere Zeit vor fünf Jahren in Florenz denke, merke ich, wie viel besser mir das heute gelingt. Ich erkenne besser, wann es mir zu viel wird, was mir nicht gut tut und vor allem wann ich etwas ändern muss.

Passend dazu möchte ich mit Euch einen weiteren Schatz teilen, den ich kürzlich gefunden habe. Ich habe Euch ja schon des Öfteren erzählt, dass ich wahnsinnig gerne Youtube-Videos gucke. Während es in der virtuellen Welt viel Schrott gibt, gibt es auch wahnsinnig wertvolle Dinge. So habe ich ein Video mit einer Atemmeditation gefunden, die mich zutiefst berührt hat (also ehrlich gesagt habe ich Rotz und Wasser geheult, als ich sie zum ersten Mal gemacht habe). In dieser Meditation geht es um folgende drei Sätze: «Ich tue genug, ich habe genug, ich bin genug.» Denn oftmals, wenn ich eine Grummel-Pinella bin, bin ich das auch deshalb, weil ich mich und meine Leistungen in Frage stelle und überzeugt bin, nicht zu genügen. Und wenn ich solche Gedanken habe, bin ich überzeugt, dass es auch vielen von Euch da draussen ab und zu so geht. Darum verlinke ich Euch hier auch diese wundervolle Meditation.

Und vielleicht braucht es das auch ab und zu, dass man auf sich zurückgeworfen und gezwungen wird, die Stille zu suchen und sich so seine Gedanken zu machen. Denn genau in diesen Situationen finde ich meist verborgene Schätze und begreife, um was es in meinem Leben wirklich gehen oder was ich ändern sollte…

So ging es mir übrigens damals auch mit der Oblate, die ich auf meiner Suche nach einem Ort der Ruhe in Florenz entdeckt habe, weil mir das Leben in Italien am Anfang so schwer fiel, mir alles zu laut war und ich meine Mitmenschen und mich manchmal nicht wirklich mochte… Offenbar wiederholen sich manche Geschichten immer mal wieder. Und die treuen Leserinnen und Leser von Euch können sich ja sicher noch gut daran erinnern, wie ich plötzlich begonnen habe auch in dieser Situation zu funktionieren, über mich hinaus zu wachsen und verborgene Schätze zu entdecken.

In dem Sinne wünsche ich Euch und mir immer wieder Orte der Stille und der Erkenntnis, aus denen heraus Neues entstehen kann!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

P.S. ich möchte mich noch vielmals bei Euch für die vielen, lieben Kommentare zum letzten Beitrag über die Babyshower für meine Sorella bedanken (ich verlinke Euch den Beitrag hier nochmals)! Gerade auch Eure Gedanken zum Mama-Sein bzw. Werden haben mich enorm berührt und ermutigt. Sowieso freue ich mich immer riesig, wenn Ihr mir schreibt, was ihr so denkt und erlebt. Das gibt mir enorm viel und ist, so glaube ich zumindest, auch für andere Leserinnen und Leser enorm wertvoll und wichtig!