Ein Tag am Meer Edition 2019…

by | Jun 26, 2019 | Schöne Dinge&Ideen, Signora Pinella auf Reisen, Vita Italiana | 2 comments

Den heutigen Blogbeitrag möchte ich in einer etwas anderen Form verfassen. Ich richten ihn nicht nur an Euch liebe, virtuelle Amici, sondern auch an Cheyenne-Joy. Wenn ihr sie nicht kennt, macht das gar nichts. Ich kenne sie auch noch nicht und vielleicht heisst sie einmal auch völlig anders und vielleicht, was auch gut sein könnte, kann ich mir ihren Namen nie merken, wenn ich sie denn kennen lerne. Also: Cheyenne-Joy wird einmal unsere Pflegerin im Altersheim sein. So sagt zumindest der Signore. Oft, wenn wir gewisse Dinge erleben, sagt er, dass das so dermassen legendär sei, dass er dann einmal Cheyenne-Joy davon erzählen müsse. So viel also zur Einführung und zu den Plänen und vor allem zum Humor vom Signore…

Also…

Liebe Cheyenne-Joy,

weisst Du, wenn man jung ist, muss man auch mal etwas Verrücktes tun. Besonders dann, wenn es Dinge sind, die vielleicht völlig unnötig sind, von denen man aber trotzdem weiss, dass die Erinnerung daran immer wie ein Schatz im Herzen bleiben wird.

 

Darum haben der Signore und ich auch einmal recht spontan entschieden ein Zugticket zu kaufen und für ein Wochenende in unsere alte Heimat Florenz zu fahren. Das wäre ja eigentlich nicht so wahnsinnig verrückt. Aber dort angekommen hatten wir doch tatsächlich die Idee, einfach so zur Freude einen Fiat 500 Cabriolet zu mieten und damit zum Baden ans Meer zu fahren. Für andere mag das nicht so revolutionär klingen. Aber für uns, die wir die Arbeit zu oft über alles stellen, war der Gedanke, dass wir am Montag im Büro denken konnten, dass wir am Wochenende, einfach so zum Baden von der Schweiz ans Meer gefahren sind (und das erst noch in einem wuuuunderschönen Fiat 500) unglaublich revolutionär.

 

Wie haben wir gelacht und uns gefreut, als wir in diesem hübschen, dunkelblauen Gefährt gesessen sind (ich habe vor lauter Glück sogar ein paar Tränen verdrückt). Der liebe Signore wurde dabei sogar richtiggehend philosophisch und erklärte mir, dass dieses Auto eines der ganz grossen Geheimnisse der Italiener beinhalte. Denn sie würden vielleicht nicht die qualitativ besten Autos bauen. «Aber die Autos der Italiener wecken Emotionen», sagte der Signore ganz überzeugt zu mir. Und ja, das stimmt. Vielleicht ist es sowieso das, was uns am Leben in Italien so gefällt: Die Emotionen. Was nützt alle Pünktlichkeit und alle Leistung, wenn man darüber die Freude und das Glück oder vielleicht auch mal die Wut, die Trauer oder ganz einfach das Leben vergisst?

 

Das Leben ist so viel mehr als Arbeit und Alltagstrott… Vergiss das nie liebe Cheyenne-Joy (und vergesst auch Ihr das nicht liebe Amici und vor allem auch Du nicht mein lieber, herzensguter, bienenfleissiger Signore)!

 

Herzlichst, Deine/Eure Signora Pinella

P.S. Noch eine Anmerkung zum Schluss: Der Signore und ich waren ja im Mai bereits eine Woche in Florenz. Da er unmittelbar vor dieser Reise ein Aufgebot für seine sogenannte «Probevorlesung» erhielt (dabei geht es darum, dass von der Universität her geprüft wird, ob man jemandem, in dem Fall den Signore, auf Studenten loslassen und ihm den Titel Privatdozent verleihen will), war die Zeit , welche zum Teil auch als Ferien geplant gewesen war (der Signore musste tatsächlich auch noch an einem Kongress teilnehmen), einfach nur schrecklich stressig und null erholsam. Daher haben wir das nun nachgeholt. Denn allen Titeln zum Trotz (und glaubt mir, ich bin wahnsinnig stolz auf meinen cleveren, liebenswerten Marito), sind wir alle am Ende des Tages menschliche Wesen mit Ecken und Kanten, Träumen und Wünschen und vor allem ganz vielen Emotionen. Genau gleich wie die italienischen Autos…;)

Und noch ein weiteres P.S.: Warum dieser Tag am Meer für uns so von grosser Bedeutung war, könnt Ihr vielleicht erst ganz erfassen, wenn Ihr diesen Beitrag hier lest, den ich vor über fünf Jahren über den gleichen Ort geschrieben habe…

2 Comments

  1. Claudia

    Was für ein schöner Blogeintrag – super, dass ihr euch ein Wochenende voller Glück gegönnt habt und es geniessen konntet. Hoffentlich gibt es auch in Zukunft weitere solche Glücksmomente in eurem strengen Alltag.
    Und noch eine kleine Anmerkung: ich meine, nicht nur in jungen Jahren soll man ab und zu etwas Verrücktes tun, sondern auch in älteren Jahren 🙂
    Liebe Grüsse, Claudia

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  2. yase

    So cool! Ich freue mich so sehr über die Geschichte und eure gute Idee!
    Herzlichst
    yase
    PS: herzliche Gratulation zum Privatdozent! Jetzt weiß ich doch, um was es geht….

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