Mit Audrey in Rom…

von | Aug. 1, 2014 | Signora Pinella auf Reisen | 6 Kommentare

Kennt ihr das, dass man sich gewisse Dinge auf eine ganz bestimmte Art vorstellt und dann sind sie irgendwie ganz anders? Mir geht das häufig so, wenn ich in Städte oder an Orte komme, die durch einen Film berühmt wurden. Dann habe ich meine eigene Vorstellung und die entspricht unter Umständen ganz und gar nicht der Darstellung im Film. Rom ist auch so eine Stadt, die in vielen Filmen vorkommt. „La dolce vita“ oder „Eat, Pray, Love“ gehören dazu und dann natürlich die ganzen Historienschinken wie „Gladiator“ oder „Quo Vadis“. Ich bin überzeugt, dass jeder von Euch sein eigenes Rom-Bild hat.
Meine Vorstellung von Rom war immer schon vom Film „Ein Herz und eine Krone“ mit Audrey Hepburn und Gregory Peck geprägt. Im Italienischen heisst der Film übrigens „Vacanze Romane“ und auf Englisch „Roman Holiday“. Als grosser Audrey-Fan sehe ich mir ihre Filme gerne und immer wieder an. Mein liebster Film mit ihr ist „Ein süsser Fratz“, weil er einfach unglaublich witzig und die Musik traumhaft ist – diese wurde übrigens von George Gershwin komponiert. Aber auch „Ein Herz und eine Krone“ ist ein ausgesprochen hübscher Film, da er das Rom der 50-er Jahre zeigt und eine süsse Liebesgeschichte ohne kitschigen Ausgang erzählt. Im internationalen Lexikon des Films wird „A Roman Holiday“ als „Charmante Unterhaltung, die durch leise Ironie und kultivierte Gestaltung
gefällt“ beschrieben. Das trifft es ganz genau.
Im Film geht es darum, dass Kronprinzessin Ann, aus welchem Land sie stammt, wird nicht erwähnt, auf Staatsbesuch in Europa ist und daher auch nach Rom kommt. Sie ist schrecklich gelangweilt von ihrem Leben und will ihm entfliehen. So schleicht sie sich eines Abends aus ihrem Zimmer im Palazzo Barberini davon. Weil ihr aber vorher von ihrem Leibarzt ein Beruhigungsmittel verabreicht wurde, schläft sie auf einer Bank ein. Der Journalist Joe Bradley findet sie, erkennt aber nicht, dass es sich um die Kronprinzessin handelt und nimmt sie aus Mitleid zu sich Nachhause. Als Prinzessin Ann am nächsten Morgen nicht zu einem Pressetermin erscheint, bei dem auch Bradley anwesend ist, dämmert es ihm, wer die schlafende Frau in seinem Zimmer ist. Bradley wittert eine grosse Geschichte und bietet diese seinem Chefredaktor an. Sein Plan ist es Ann Rom zu zeigen und sie dabei von seinem Freund, dem Fotografen Irving Radovich, fotografieren zu lassen. Als Ann erwacht verschweigt sie Bradley aber, wer sie ist und auch er lässt sie darüber im Unklaren, dass er ein Reporter ist. Ann will so schnell wie möglich wieder zurück, verbummelt sich dann aber in der Stadt und lässt sich erst einmal die langen Haare abschneiden. Ein Interessantes Motiv übrigens, da dieser Vorgang auch schön die Wandlung vom kindlichen Prinzesschen zur erwachsenen Frau
symbolisiert.
Bradley trifft Ann dann wieder auf der Spanischen Treppe, wo diese gerade ein Eis isst. Sie lässt sich zur Tour durch Rom überreden und die Stadt zeigen. Dabei kommen sie auf ihrer Vespa unter anderem am Kolosseum und am Bocca della Verità vorbei. Dabei handelt es sich um ein scheibenförmiges Relief, dass sich im Eingang der Kirche Santa Maria in Cosmedin befindet. Der Legende nach wird jedem, der seine Hand in den Mund der Figur steckt und dabei lügt, die Hand abgebissen. Weil Ann und Bradley beide lügen, zögern sie ihre Hand hinein zu stecken. Bradley wagt es dann doch und zieht seine Hand beim Herausziehen in den Jackenärmel zurück, woraufhin Ann erschrickt und ihn umarmt. Nach dem Besuch einer nächtlichen Tanzveranstaltung und einem unfreiwilligen Srpung in den Tiber, kommen sich die Zwei ein zweites Mal näher. Wie der Film dann aber tatsächlich ausgeht, verrate ich hier nicht… Schaut ihn Euch selber an, es lohnt sich! Nur so viel: Offenbar reicht ein einziger Tag aus, um einen Menschen grundlegend zu verändern und reifen zu lassen. Das finde ich eine schöne Vorstellung!
Das heutige Rom entspricht leider so ganz und gar nicht mehr dem Rom aus dem Film. Trotzdem mag ich es, die Stellen aus dem Film zu besuchen und mir vorzustellen, wie es vor über 60 Jahren dort ausgesehen hat. Dass Rom oft nicht besonders paradiesisch ist, hat die liebe Signora Rossi ja bereits in ihrem Rom-Beitrag hier geschrieben. Vielleicht liegt darin aber das Geheimnis zwischen Realität und Fiktion. Auch wenn Rom weit weniger romantisch und verträumt ist als im Film, darf ich es mir jederzeit so schön träumen wie ich will…
Herzlichst, Eure Signora Pinella