Ein Souvenir mit Stil

Ein Souvenir mit Stil

Ein Souvenir mit Stil

Souvenirs sind ja so eine Sache für sich. Ich finde sie in der Regel kitschig und unnötig – es sei denn, es sind Dinge, die wirklich vor Ort produziert worden sind. In Florenz sind die typischen Souvenirs Lederwaren, Panforte (kleine Küchlein, die ähnlich wie Lebkuchen schmecken), Vin Santo, Chianti, Biscotti, um nur einige Beispiele aus dem kulinarischen Bereich zu nennen, und eben Papier. Die Läden, in denen das Florentiner Papier verkauft wird, heissen Cartoleria (darüber habe ich hier bereits berichtet). Ich bin ein grosser Fan dieser Läden und verweile gerne stundenlang darin.
Hochwertige Papierwaren waren früher in Florenz vor allem von den zahlreichen britischen und amerikanischen Besuchern sehr gefragt und wurden deshalb von Anfang des 20. Jahrhunderts an in grosser Zahl produziert. Die Briten und die Amerikaner bevölkern Florenz tatsächlich sehr dicht. Besonders in der Innenstadt hört man auf Schritt und Tritt hübsches britisches Englisch und oftmals auch den breiten Amislang (gemischt mit dem Gekreische und Gekicher ganzer Horden von amerikanischen College-Girls). Habe ich bereits erwähnt, dass mir die Touristen gewaltig auf die Nerven gehen?! Sie kommen mir wie Schafherden vor und oft gibt es in der Stadt wegen ihnen kein Durchkommen mehr. Schrecklich… Ich bemühe mich dann immer sehr italienisch auszusehen, setze meine grosse Sonnenbrille auf und schiebe mich mit einem enervierten Seufzen durch die Menge
– in der Hoffnung, dass ich für eine Einheimische gehalten werde. Denn von den Italienerinnen sind die Touristen immer mächtig beeindruckt. Leider fehlt mir da noch die nötige Eleganz dazu. Aber ich arbeite daran.
Wenigstens haben die Touristen aber zur Entwicklung der Florentiner-Papierkultur beigetragen. Das sollte ich ihnen hoch anrechnen. Daher erinnern auch die Motive oft eher an britisches Geschirr und Tapeten, als an italienisches Design. Ich bin begeistert von dem Papier, weil es mir auf günstige Art und Weise erlaubt, die bereits möblierte Wohnung etwas individueller zu gestalten. Und ich liebe es Geschenke in das Florentiner-Papier zu verpacken, weil es einfach so schön aussieht!
Das Papier ist ein wesentlich stilvolleres Souvenir, als eine Mini-David-Statue oder eine kitschige Fotografie der Ponte Vecchio im Abendlicht. Obwohl ich mich letzthin in den Uffizien auch dazu hinreissen liess, zwei äusserst grenzwärtige Kühlschrankmagnete zu kaufen. Das wäre grundsätzlich nicht so schlimm. Aber es sind flache Magnete mit einem Bild von Michelangelos David und der Venus von Botticelli. Dazu gab es verschiedene Kleidungsstücke, mit denen man die armen, nackten Figürchen jeden Tag neu anziehen kann (beispielsweise ein Wonder-Girl-Kostüm für die Venus und ein Hawaiihemd für David). Für das Anziehen von nackten Statuen hatte ich ja immer schon ein Faible. Ich habe einmal als Kunstprojekt im Gymnasium einer Statue ein Kleid genäht und sie angezogen (mit Bewilligung der städtischen Kulturabteilung wohlgemerkt;).
Jetzt bin ich abgeschweift…
Eine sehr bekannte und alteingesessene Kartenfabrik heisst übrigens Cartavarese. Sie haben sogar Vertreter in Deutschland und Österreich. Deren Standorte und viele weitere Informationen zur Firma, dem Florentiner Papier und den neusten Designs gibt es unter www.cartavarese.com
Bevor wir im Dezember Florenz verlassen, werde ich meine Papiervorräte nochmals aufstocken. Denn das und die schönen Läden, in denen das Papier verkauft wird, werden mir nach der Rückkehr in die Schweiz garantiert fehlen. Und dann muss ich ja auch noch genug für meine Freundinnen und alle weiblichen Familienmitglieder und deren Freundinnen einpacken…;) Vermutlich würde ich am besten selber in den Papierhandel einsteigen oder eine Schreibwarengeschäft in der Heimat überzeugen, davon zu importieren.
Euch allen da Draussen wünsche ich einen wunderbaren, kunterbunten Sonntag!
Herzlichst, Signora Pinella

Auf in die zweite Runde, Wohnen auf Italienisch und gefüllte Conchiglioni…

Auf in die zweite Runde, Wohnen auf Italienisch und gefüllte Conchiglioni…

Auf in die zweite Runde, Wohnen auf Italienisch und gefüllte Conchiglioni…

Halbzeit – ja, genau heute ist die Hälfte des Jahres um und somit auch die Hälfte unserer Zeit in Florenz vorbei. Genau genommen bereits etwas mehr, da wir ja nicht bis ganz Ende Jahr hier bleiben. Wie ich immer zu sagen pflege „I’ll be home for christmas“ und nicht nur in my dreams, sondern ganz real.
Heute Morgen haben der Signore und ich so darüber nachgedacht, was wir denn nun für eine Zwischenbilanz ziehen. „Hmmm… schwierige Frage“, meinte mein lieber Marito dazu. In Anbetracht dessen, dass nun die Ferien anstehen und eine wahre Besucherwelle über uns hereinbricht, werden Juli und August schnell um sein. Im September wird uns dann vermutlich einfallen, was wir alles noch nicht gesehen und erlebt haben, dann werden wir gestresst sein bis November und im Dezember im Abschiedsblues versinken.
Den Blues hatte ich bereits in der letzten Woche (was man ja wohl unweigerlich an meinen Schweiz-Schwärmereien gemerkt hat)… Ich ärgerte mich in einer Tour über das schwüle Florentiner Wetter, den demonstrativ gelebten Individualismus der Italiener, besonders im Autobus, wo sie hemmungslos um die wenigen Sitzplätze streiten, und fühlte mich einsam und unverstanden. Der Signore schleifte mich daraufhin am Wochenende ans Meer (Bilder davon folgen) und schon ging es mir wieder besser.

Nach all meinem Wehklagen und Stänkern begann ich danach ernsthaft darüber nachzudenken, was mir an Florenz, Italien im Allgemeinen und den Italienern gefällt. Voller Fokus aufs Positive.

Da wäre sicher einmal das Essen. Ja es ist so, Liebe geht bei mir durch den Magen. Ich habe in Italien eine andere Sicht auf die Küche und das Kochen entwickelt. Ich habe immer gerne und viel gekocht, aber hier erlebe ich im Moment eine riesige Horizonterweiterung. Ich wandle sozusagen auf den Pfaden der Erleuchtung. Deshalb teile ich auch noch gleich eine neue Rezeptkreation mit Euch.
Zweitens schätze ich an den Italienern ihr Mitteilungsbedürfnis. Während ich in der Schweiz immer als schwatzhaft bezeichnet werde, gelte ich im Vergleich zu den Italienern als stilles Wasser. Es ist soooooo schön, wenn man sich mitteilen darf, ohne dafür als Plappermaul gescholten zu werden (das muss ich mir übrigens seit meinem ersten Kindergartentag anhören…). Eloquenz ist in Italien ein wertvolles Gut und wird geschätzt. Wunderbar!
Dann die Gastfreundschaft oder besser noch die Geselligkeit. Mir gefällt es, dass die Menschen in Italien gerne zusammen essen, die Abende nicht alleine vor dem Fernseher verbringen und wenn man noch jemanden mitbringen will, ist das nie ein Problem. Je mehr Leute am Tisch sitzen, umso
besser.
Viertens: Die Unpünktlichkeit. Während ich in der Schweiz immer auf den letzten Drücker oder gar etwas zu spät bin, bin ich hier in Italien der pünktlichste Mensch überhaupt. Letzthin organisierte eine Bekannte von uns ein Essen in der Stadt. Treffpunkt acht Uhr. Die drei geladenen Schweizer waren um fünf vor acht da, um zwanzig nach acht stiessen vier Italiener zu uns und die Organisatorin des Abends kreuzte gegen zwanzig vor neun auf und entschuldigte sich nicht einmal. Das ist auch so etwas. Während ich mich als Schweizerin permanent am entschuldigen bin, lächeln die Italiener die Dinge einfach freundlich weg. Schuldgefühle entdecke ich hier wenige. Ja, vielleicht manchmal zu wenige, denn geht etwas schief, fühlt sich selten jemand verantwortlich. „Was geht mich das an?“, heisst es dann oft… Eine Mischung aus Schweiz und Italien wäre hier wohl angebracht;)
Und ich geniesse es für einmal in Florentiner-Möbeln zu wohnen. Für ein Jahr wollten wir nicht unser ganzes Hab und Gut nach Italien zügeln und haben deshalb eine möblierte Wohnung gesucht. Auch wenn ich nicht ein Leben lang so schwere Holzmöbel um mich herum haben möchte, passen sie eben doch gut hierher und so kann ich ein Jahr lang ein interessantes Wohnexperiment ausleben. Ich habe die ganze Wohnung mit Kissen und Wohnaccessoires bestückt und nun wiederspiegelt sie nicht nur Florenz, sondern auch uns.
Und hier nun noch das versprochene Rezept für die gefüllten Conchiglioni:
Zuerst werden 20 Stück Riesenmuschelnudeln weichgekocht und mit kaltem Wasser abgeschreckt, damit sie nicht zusammen kleben. Am besten legt man sie danach direkt in eine Auflaufform, die grosszügig mit Olivenöl beträufelt wurde.
 
Füllung
Für die Füllung eine Zucchini ganz fein hacken und kurz im Olivenöl andünsten. Im Mörser ein paar Basilikumblätter zusammen mit sechs Esslöffeln geriebenen Nüssen oder Mandeln und einem grossen Schuss Olivenöl zerkleinern. Danach wird eine grosse Tomate klein geschnitten und zusammen mit drei Esslöffeln Parmesan und 150 fein gewürfeltem Mozzarella mit den restlichen Zutaten vermischt. Alles gut mit Pfeffer, Salz und Knoblauch würzen. Danach wird die Masse in die vorbereiten Conchiglioni gefüllt und diese werden kurz im Backofen goldbraun gratiniert. E basta.
Dieses Gericht eignet sich hervorragend als Antipasti, für den kleinen Hunger oder allenfalls auch als Fingerfood bei einem Aperitivo.
Nun wünsche ich Euch allen da Draussen einen schönen, sonnengetränkten Tag!
Herzliche Grüsse aus dem Süden (den ich nun wieder lieber habe),
Eure Signora Pinella

Einmal Engelsbrot, aber bitte mit Salz…

Einmal Engelsbrot, aber bitte mit Salz…

Einmal Engelsbrot, aber bitte mit Salz…

Brot kaufen in Florenz ist ja so eine Sache. Denn hier wird das Brot nicht gesalzen. Und der Signore und ich mögen das gar nicht. Brot muss einfach ein Hauch salzig sein! Also backe ich regelmässig selber Brot in meinem störrischen Ofen (siehe auch hier).
Brot backen ist aus zwei Gründen eine sehr vergnügliche Sache. Erstens geht der Brotteig in Florenz hervorragend auf. Das liegt an der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit, die uns schrecklich leiden lassen, für das Brot aber perfekt sind. Zweitens wird die Trockenhefe in wunderhübschen Tüten mit Engeln und der Aufschrift „PANEANGELI“ verkauft.
Und hier das Rezept für ein luftiges, italienisches Brot:
500 Gramm Mehl mit dem Stärkegrad 00 (gibt es auch ausserhalb von Italien in gut assortierten Geschäften zu kaufen)
1,5 Kaffeelöffel Salz
1 kleines Päckchen Trockenhefe
3 Deziliter Wasser
Alle Zutaten ordentlich miteinander verkneten, bis ein glatter Teig entsteht. Diesen mindestens zwei Stunden ruhen lassen, danach zu einem Brot formen und auf 200 Grad goldbraun backen.
Dass die Florentiner ihr Brot nicht salzen, hat übrigens einmal mehr mit einem Konflikt mit den Senesi zu tun. Letztere blockierten die Salzzufuhr nach Florenz und die Florentiner entschieden daraufhin, dass sie ihr Brot künftig ohne Salz essen würden. Und so ist das bis heute geblieben… Über die Konflikte zwischen Florenz und Siena habe ich ja bereits hier und hier geschrieben. Was wäre ich froh und dankbar, wenn die Florentiner etwas weniger stolz wären…
Herzlichst, Eure Signora Pinella

La Florentia – blühendes, beeindruckendes Florenz…

La Florentia – blühendes, beeindruckendes Florenz…

La Florentia – blühendes, beeindruckendes Florenz…

Bisher habe ich ein Thema auf meinem Blog völlig vernachlässigt. Denn obwohl ich immer wieder über Florenz schreibe, habe ich Euch nur wenige und punktuell ein paar Bilder davon gezeigt. Vermutlich hängt das damit zusammen, dass ich nun doch schon recht lange hier bin und eher mit einem bestimmten Ziel durch die Stadt gehe, anstatt mich auch mal treiben und all die Schönheit auf mich wirken zu lassen. Deshalb habe ich nun die Bilder hervorgekramt, welche ich bei meinem ersten Florenz Aufenthalt im Oktober 2013 gemacht habe. Also quasi mein erster Blick auf meine neue Heimat.
Kennt Ihr das, das man eine Stadt oder einen Ort besucht und sofort ein Gefühl dafür entwickelt? Vor diesem Moment hatte ich bei unserer Ankunft in Florenz besonders Angst. Was, wenn ich ankomme und die „Vibes“ einfach schlecht sind? Wenn ich die Stadt nur hässlich und doof finde? Zum Glück machte mir Florenz die Ankunft leicht. Wir waren an einem kalten, nebligen Herbsttag in der Schweiz abgefahren und kamen in Florenz im Sonnenschein und Spätsommer an. Die Stadt schien sich richtig Mühe zu geben, auch ja alles richtig zu machen. Im ersten Restaurant, in das wir uns setzten lief die Platte von Ella Fitzgerald und Louis Armstrong, auf der sie Stücke von George Gershwin interpretieren – also eine meiner liebsten CDs überhaupt. Das Essen war köstlich und über die ganze Szenerie wachte der azurblaue Himmel.
Florenz hat mir seither auch etliche Male sein anderes Gesicht mit kalten, feuchten Nebeltagen, hochnäsigen Bewohnern (ja, auch wenn es ein Klischee ist, die Florentiner sind kein einfaches Völkchen) und unglaublich nervigen Touristenmassen gezeigt. Der Aufenthalt in Florenz hat sich durch den Beruf vom Signore halt einfach so ergeben. Die Stadt haben wir uns nicht ausgewählt. Und doch realisiere ich von Tag zu Tag immer mehr, dass es ein schöner Ort und eine gute Stadt ist, um ein Jahr lang hier zu leben. Florenz hat mit seinen 366‘000 Einwohnern eine beachtliche Grösse und trotzdem kommt es mir oft eher vor wie ein Dorf. Es kommt bereits ab und zu vor, dass ich in der Stadt oder auf dem Bus Bekannte treffe.
Florenz erinnert mich immer ein bisschen an München. Warum weiss ich nicht und vielleicht ist der Vergleich auch völlig an den Haaren herbeigezogen. Der englische Garten würde dann dem Giardino Bobboli entsprechen, das Rathaus dem Pallazzo Vecchio und so weiter. Universitätsstädte sind es auch beide und die Touristen nerven sowieso überall. Vielleicht hinkt der Vergleich doch nicht so sehr?

Was mir an Florenz besonders gefällt, ist die hohe Dichte an Kunstwerken. Nirgends auf der Welt lassen sich so viele bedeutende Kunstwerke auf so kleinem Raum finden wie in Florenz. So viele weltberühmte Werke, über die in meiner Ausbildung stundenlang referiert wurde, kann ich hier im Original und all ihrer Pracht bewundern. Jedes Mal, wenn ich beispielsweise vor Botticellis Primavera stehe, habe ich das Gefühl, dass ich mich verneigen oder wenigstens die Schuhe ausziehen sollte, um ihm den nötigen Respekt zu zeigen. Völlig blödsinnig, ich weiss… Manchmal beschleicht mich jetzt schon die Angst, dass ich in diesem Jahr etwas verpassen könnte. Gerade heute Morgen wurde mir beispielsweise bewusst, dass der Schweizer Maler Arnold Böcklin in Florenz lebte und arbeitete und in Fiesole begraben wurde. Ich muss also unbedingt Böcklins Grab besichtigen. Und der arme Signore wird bei den meisten dieser Aktionen mitgeschleift, muss sich meine Schwärmereien anhören und dann noch mit mir über die Bedeutung der Werke diskutieren… Poverino… 

Florenz wurde von Cäsar nach der Göttin der Blumen und des Wachstums Florentia getauft. Das passt gut, da Florenz in einer Sumpfregion gelegen, unglaublich feucht und daher sehr grün ist. Ursprünglich war Florenz übrigens ein Militärlager. Das höher gelegene Fiesole, das von den Etruskern gegründet wurde, wird noch heute als die eigentliche Wiege der Florentiner angesehen. „Wir sind Etrusker und keine Römer“, betonen die Florentiner immer wieder. Denn die Etrusker seien bereits viel früher viel höher entwickelt und den Römern sowieso in allem überlegen gewesen. Eben, überlegen sind die lieben Florentiner immer gerne… Jedenfalls ging es mit den Etruskern nach dem Einfall der römischen Truppen ganz schnell bergab und sie lösten sich mehr oder weniger in der römischen Kultur auf.
Ihre Blütezeit erlebte die Stadt, die als Wiege der Renaissance gilt, hier darf man übrigens immer nur vom Rinascimento sprechen – das ist gaaaaaanz wichtig, im 15. Und 16. Jahrhundert unter der Führung der Medici. Die Medici gelangten durch ihren Geldhandel an die Macht, adelig waren sie nicht. Dieses Manko versuchten sie durch geschickte Heiratspolitik auszugleichen. In dieser Zeit liessen sich auch viele berühmte Künstler wie Michelangelo und Leonardo da Vinci in Florenz nieder. Galileo Galilei war der Hofmathematiker der Medici und Machiavelli ihr Chronist.
Und so ginge es noch seitenweise weiter… Ich versuche erst gar nicht an, die Geschichte der Stadt komplett darzustellen. Sonst würde dieser Post mehrere Seiten lang. Und eigentlich geht es heute ja vor allem um die Bilder. Ich bin schon froh und dankbar, wenn ich bis Ende Jahr einen Bruchteil der Essenz dieser Stadt erfasst habe.
Ich wünsche Euch allen da Draussen, dass auch Ihr immer wieder die Gelegenheit bekommt, über den Tellerrand hinaus zu blicken! Manchmal tut das ganz gut…
Herzlichst, Eure Signora Pinella

Rosa Gefühle in Siena…

Rosa Gefühle in Siena…

Rosa Gefühle in Siena…

Siena und Florenz stehen seit dem frühen Mittelalter in einem ständigen Konkurrenzkampf. Die Differenzen zwischen den Städten waren vor allem politischer und wirtschaftlicher Natur. Ich habe dazu bereits hier betreffend dem Label „Gallo Nero“ eine Geschichte erzählt. Für den Signore und mich ist ein Besuch in all diesen berühmten Städten rund um Florenz Pflicht. Und als wir vor einigen Wochen ohnehin in der Gegend von Siena waren, haben wir diese Stadt für einen Abendspaziergang und ein gutes Essen besucht.
Vielleicht ist es eine Art Glaubensfrage, ob einem Siena oder Florenz besser gefällt. So wie im Mittelalter, als es hiess: „Gehörst du zu den Guelfen oder zu den Ghibellinen?“  Denn im Gegensatz zu Florenz, wo die Papsttreuen Guelfen die Vorherrschaft hatten, wurde Siena von den Kaisertreuen Ghibellinen regiert. Zuerst brachte das der Stadt auch etliche Rechte und Privilegien ein. Doch im Laufe der Zeit und nach etlichen Schlachten unterlangen die Senesi den Florentinern. Leider. Würde ich sagen. Denn Siena ist eine wunderschöne Stadt.
Florenz ist zwar grösser als Siena und hat eine bessere Infrastruktur. Beispielsweise was den öffentlichen Verkehr anbelangt. Siena wird dagegen nur noch von Regionalzügen angefahren. Trotzdem hat mich Siena vielmehr verzaubert als Florenz.
Als der Signore und ich in Siena ankamen, stand die Sonne schon etwas tiefer und tauchte die ganze Stadt in ein warmes, goldenes Licht. Und wir hatten das grosse Glück Zeugen eines Umzuges der Contrade – des Stadtteils der Oca (Gans) zu werden. Denn der Reiter dieses Stadtteils hatte im Jahr zuvor das berühmte Pferderennen „Palio di Siena“ gewonnen. Nun defilierten alle Mitglieder der Contrade Oca über die Piazza del Campo. Allen voran die Trommler und die Fahnenschwinger. Fahnenschwingen ist mir natürlich seit meiner frühesten Kindheit vertraut. Aber die behäbigen Fahnenschwinger aus dem schweizerischen Berner Oberland können nicht mit den gelenkigen und flinken Italienern mithalten. Wohl einfach auch deshalb nicht, weil wir in der Schweiz zu spät mit der Nachwuchsförderung anfangen. Hier laufen bereits die ganz kleinen Jungen bei den Umzügen mit und schwingen stolz ihre Fahne, die oftmals gleich gross wie sie selber ist.
Den Dom konnten wir uns leider nur noch von Draussen ansehen, da er bereits geschlossen war. Zugegebenermassen ist er um einiges kleiner als der Florentiner-Dom, der mich mit seiner Wucht und Grösse immer wieder sprachlos macht. Mir gefällt das Modell der Senesi aber um einiges besser. Einfach weil er sehr kompakt und harmonisch wirkt. Und weil der weisse Marmor, der sich mit dem schwarzen Steinen abwechselt, von zarten, rosa Streifen durchzogen ist. Die reichen Verzierungen an der Fassade könnte ich stundenlang
bewundern…
Und weil die Stadt in mir so ein rosarotes Gefühl auslöste, habe ich mich entschieden, die Bilder von dort zusammen mit den Bildern für ein Rosenwasserrezept zu zeigen. Als ich letzthin bereits über ein italienisches Rosenwasser geschrieben habe, fand das grossen Anklang. Als Kind habe ich immer selber nach einem Rezept meiner Oma Rosenwasser hergestellt. Leider konnte ich das Rezept nicht mehr finden. Daher gibt es hier nun eine ganz einfache Variante.
Eigentlich handelt es sich bei richtigem Rosenwasser um ein Abfallprodukt aus der Destillierung von Rosenöl. Da man dazu aber Tonnenweise Rosenblätter braucht, verzichtete ich darauf.
Für mein hausgemachtes Rosenwasser verwende ich duftende Rosenblüten. In der Regel sind alte Sorten dafür besser geeignet. Die Blüten werden mit heissem Wasser im Mischverhältnis von 500 Gramm Blüten auf 1 Liter Wasser übergossen. Dann lässt man das ganze abkühlen und siebt dann das Rosenwasser in einen Behälter ab und stellt es in den Kühlschrank. Im Prinzip hat man so einfach einen Rosentee gewonnen. Bei den aktuellen, heissen Temperaturen ist es eine schöne Erfrischung, wenn man das Rosenwasser in eine Flasche mit Pumpspray füllt und sich immer mal wieder etwas damit einsprüht.
Und um meine Liebe zu Rosa noch zu unterstreichen, habe ich meinen liebsten Nagellack von Loreal für Euch fotografiert. Ich habe ganz viel davon nach Italien mitgenommen, weil ich nicht wusste, ob ich ihn hier kaufen kann. Glücklicherweise gibt es hier noch ein viel grösseres Sortiment davon als in der Schweiz. In verschiedenen Studien wurde übrigens nachgewiesen, dass
Rosa beruhigt. Das habe ich schon lange gewusst;)
Ich wünsche Euch allen einmal mehr einen wundervollen, rosaroten Tag!
Herzlichst, Eure Signora Pinella